Aussage gegen Aussage: genau hinsehen.
Widersprechende Aussagen erfordern eine sorgfältige Beweisprüfung. Welche Bedeutung hat das für die Verteidigung?
Wenn sich zwei Schilderungen widersprechen, erscheint ein Tatnachweis auf den ersten Blick schwierig. Daraus folgt aber weder automatisch ein Freispruch noch die Berechtigung, eine belastende Aussage ungeprüft zu übernehmen. Auch eine einzelne Zeugenaussage kann für die Entscheidung erheblich sein.
Entscheidend ist die Prüfung der gesamten Beweislage
Das Gericht muss die Beweise im Zusammenhang würdigen. Hängt die Entscheidung im Wesentlichen davon ab, ob es einer einzigen belastenden Aussage folgt, kommt es auf eine besonders sorgfältige Prüfung an. Dazu gehören unter anderem der Inhalt der Schilderung, ihre Entstehung und Entwicklung sowie die Frage, wie sie sich zu anderen feststellbaren Umständen verhält.
Eine Abweichung in einer Erinnerung beweist für sich genommen keine Lüge. Umgekehrt wird eine Aussage nicht allein dadurch zuverlässig, dass sie mehrfach wiederholt wird. Maßgeblich bleibt die nachvollziehbare Bewertung im konkreten Fall.
Was kann die Verteidigung beitragen?
Nach Akteneinsicht lässt sich prüfen, welche früheren Angaben dokumentiert sind, ob Fragen offenbleiben und ob weitere Beweismittel existieren. Nachrichtenverläufe, zeitliche Abläufe oder bereits vorhandene Unterlagen können dabei bedeutsam sein. Die Verteidigung kann Unstimmigkeiten herausarbeiten und auf eine vollständige Aufklärung hinwirken.
Nicht vorschnell reagieren
Sichern Sie vorhandene Unterlagen unverändert und besprechen Sie deren Bedeutung mit Ihrem Verteidiger. Versuchen Sie nicht, durch eigene Konfrontationen, Absprachen oder öffentliche Beiträge den Vorwurf zu klären. Ob eine eigene Erklärung sinnvoll ist, sollte auf Grundlage der Akte entschieden werden.